01. wir brauchen mehr endopowerment!

Aktualisiert: 16. Dez 2019

Was Endopowerment für mich bedeutet? Es ist ein individuell geschnürtes Paket aus Maßnahmen und Strategien, welche einer Frau mit Endometriose dabei helfen den Grad an Autonomie und Selbstbestimmung in ihrem Leben trotz der chronischen Erkrankung wieder zurück zu gewinnen. Es soll sie dazu animieren ihre Interessen eigenmächtig und selbstverantwortlich zu vertreten.



Das Maßnahmenpaket um die jeweilige Strategie muss jede Betroffene für sich selber schnüren. Ich möchte euch für den Prozess der Selbstbemächtigung neue Impulse geben, sodass ihr euer Gefühl der Macht- und Einflusslosigkeit überwindet und eure Gestaltungsspielräume und Ressourcen, trotz oder vllt. sogar wegen der Endometriose wieder wahrnehmen und nutzen könnt.


Die Aufklärungsarbeit rund um das Thema Endometriose ist super wichtig und es tut sich aktuell sehr viel. Ich bewundere all die engagierten Frauen rund um das Thema.

Ich war egoistischer, ich habe zuerst bei mir begonnen, habe für mich Frieden mit dieser Krankheit geschlossen. Nun möchte ich euch helfen einen neuen Blickwinkel zu schaffen.

Richtig wir haben eine Krankheit, aber will sie uns tatsächlich etwas Böses? Ich bin inzwischen überzeugt davon, dass mir meine Endo nichts Böses will. Sie ist das Sprachrohr meines Inneren, das seit Jahren versucht mir mitzuteilen, dass ich Dinge in meinem Leben ändern muss. Da ich sehr gut darin war, diese Anzeichen zu ignorieren musste mein Körper zu härteren Maßnahmen greifen und es mich richtig spüren lassen und ja es hat mich auch eine Niere gekostet aber ich habe sehr viel dazu gelernt.


So verrückt es klingen mag, ich war tatsächlich ein bisschen erleichtert als ich die Diagnose mit meiner Niere bekam, denn schlagartig wurde ich ernst genommen.

Ich hatte keine zyklusbedingten Schmerzen mehr, ich war dabei ein wichtiges Organ zu verlieren. Das Verständnis und die Akzeptanz für meine Schmerzen sind in Verbindung mit dem Verlust meiner Niere plötzlich um ein hundertfaches gestiegen und hob meine Beschwerden auf ein ganz anderes Level. Jetzt fragt ihr euch was ich daraus gelernt habe? Ganz einfach mich selbst ernst zu nehmen und nicht erst auf die Bestätigung von außen zu warten. Unser Körper kommuniziert jede Sekunde unseres Lebens mit uns, nur haben wir nie gelernt oder verlernt hinzuhören. Als Kinder tun wir das noch ganz automatisch doch als Erwachsene verlernen wir diese Fähigkeit. Viele Frauen verlieren das Gespür für ihren Körper durch die Pille, ganz schleichend so war es bei mir der Fall. Nach dem Absetzen der Pille, habe ich mir das hören und interpretieren der Signale meines Körpers wieder beibringen müssen. Als zweiten Punkt habe ich gelernt mir erst über mögliche Probleme Gedanken zu machen, wenn sie eingetreten sind.

Mein Freund zitiert gerne Mark Twain: „In meinem Leben habe ich unvorstellbar viele Katastrophen erlitten. Die meisten davon sind nie eingetreten.“

Hätte ich meine Endometrioseherde großflächig entfernen lassen, was ich bis heute nicht getan habe, (auf meine Gründe hierfür gehe ich in einem gesonderten Artikel ein) dann wären meine Chancen für einen künstlichen Darmausgang sehr hoch gewesen. Im besten Fall hätte ich damit ca. sechs Monate leben müssen, im schlimmsten Fall für immer. Keine schöne Nachricht, trotzdem war es ein Thema das ich sehr schnell akzeptieren konnte und ich habe mich nicht in endlose Gedankenschleifen begeben und mir immer wieder das Worst Case Szenario ausgemalt. Ich habe diesen Gedanken einmal durchgedacht, habe mir Frauen die trotz künstlichem Darmausgang wunderschön sind angeschaut, habe mir schöne Badeanzüge auf meine Merkliste gesetzt und einen tollen Überzug aus Spitze für den Beutel gefunden, der ebenfalls auf meine Merkliste kam. Danach habe ich das Thema genommen, in ein Archiv in meinem Kopf gepackt und mir geschworen die Akte erst wieder heraus zu nehmen, wenn die Notwendigkeit dafür besteht.


Bis heute bestand keine Notwendigkeit und die Akte verstaubt weiter im Archiv für mögliche Endometriose Worst Case Szenarien.

Unser Körper ist ein Selbstheilungsinstrument und kann sich erst wieder heilen und Kraft tanken wenn wir im Kopf frei sind. Unser Kopf steuert den ganzen Körper. Ihr wart aber schon immer total verkopft? Die Ausrede zählt nicht! Unser Gehirn ist sehr flexibel und kann bis ins hohe Alter von 70-80 Jahren neues Denken lernen. Ich bin nach wie vor ein verkopfter Mensch und lerne dennoch jeden Tag ein bisschen mehr in der Gegenwart zu leben. Denken wir immer in der Zukunft hinken wir unserem Leben körperlich hinterher. Das erzeugt ein Gefühl von Autonomieverlust.



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