Anna-Mariah erzählt ihre Geschichte.


Die Endometriose ist in meiner „gynäkologische Karriere“ schon seit meinem 18. Lebensjahr ein Thema – kein offizielles, aber eine Vermutung/ Möglichkeit/ Erklärung. Jetzt, nach beinahe 7 Jahren, befinde ich mich aktuell im Krankenstand nach meiner ersten Laparoskopie, die eine oder keine Diagnose ergeben soll.



Schmerzhafte Zyklen habe ich bereits seit meiner ersten Monatsblutung, starke Blutungen ebenfalls. Ich bekam ein Rezept für eine Antibabypille – wie so ziemlich jede andere junge Frau auch. Mit 18 stellte ich dann erste Veränderungen bei meinen Zyklus-Schmerzen fest: intensiver, langanhaltender aber auch insgesamt anders. Ich hatte plötzlich auch außerhalb meiner Monatsblutung und meines Eisprungs Schmerzen im Unterleib. Mich begleiteten beinahe den gesamten Zyklus hinweg Kopf- und Rückenschmerzen, andauernde und/ oder krampfartige Schmerzen im Bauchbereich, Kreislaufprobleme und, und, und.


Meine Gynäkologin, welche recht sensibel für das Gebiet Endometriose ist, stellte zu diesem Zeitpunkt das erste Mal den Verdacht in den Raum. Der Wechsel zu einer Dauereinnahme der Pille schien somit erstmal sinnvoll. Die darauffolgenden sieben Monate quälten mich täglich starke oder weniger starke Blutungen, denn mein Körper reagierte offensichtlich gar nicht gut auf die plötzliche Umstellung der recht starken Hormondosis.

Da auch dieser Weg keine Option war, zog ich für mich selber nach dieser immensen Reaktion meines Körpers die Notbremse und verzichtete in Gänze auf hormonelle Verhütungspräparate mit dem Ziel, dass sich alles wieder einpendeln kann. Et Voila, ein geregelter Zyklus begleitet mit erträglichen Schmerzen – alles in allem ganz toll, bis auf die beinahe depressiven Züge, die sich nach dem Absetzen der Pille auf einen Schlag entwickelt hatten.


Nach ca. 12 Monaten des „Hormonentzugs“ und wieder zunehmenden Schmerzen erschien ich erneut zur gynäkologischen Kontrolle. Meine Gyn. stellte kleinere Zysten fest – diese sollten die Schmerzen wohl verursachen. Endometriose schien nun wieder deutlich präsenter und es sollte ein neues Hormonpräparat verabreicht werden. Da die Pille für mich mittlerweile keine Option mehr war, eine Verhütungsspritze nie in Frage kam und irgendwie alle anderen Möglichkeiten auch nie so ganz das Maß der Dinge schienen, sollte es also eine Hormonspirale werden – der Beginn meiner Zeit mit der lieben JAYDESS.


Alles in allem, war das für mich eine sehr angenehme Lösung: Einnahme vergessen war unmöglich, Kontrolle erfolgte regelmäßig und verhältnismäßig günstig war es insgesamt für den Zeitraum von drei Jahren auch noch! Als „Bonus“ erhielt ich dann auch noch ein Fernbleiben meiner Regelblutung und in den ersten 18 Monaten lediglich ein Mindestmaß an auszuhaltenden Schmerzen. Zugegeben, meinen Eisprung merkte ich nun doch wieder deutlich schmerzhafter, zumindest linksseitig und ich hatte echt extrem mit Heißhungerattacken und einem ständigen Blähbauchzu kämpfen – aber was ist schon einmal im Monat eine Woche voller Snacks und das in bequemen Jogginghosen im Vergleich zu einer Woche vollgedröhnt mit Schmerzmitteln und am Rande des Nervenzusammenbruchs!? Ich nahm das gerne in Kauf und lebte damit erstmal mein bestes Leben.


Nach ungefähr der Hälfte der Liegedauer meiner Spirale stellte ich dann aber fest, dass mein Körper partout wieder einen Zyklus durchboxen wollte und so fühlte sich das Ganze auch an. Die Schmerzen waren wieder anders, intensiver, beinahe lähmend – in erster Linie waren sie aber beängstigend.

Ich gab mir selber eine Beobachtungsfrist von sechs Monaten, hatte den Gedanken das es ja auch einfach stressbedingt sein könnte. Und aus Angst, wieder vor meiner Frauenärztin zu stehen und zu erfahren, dass das doch alles irgendwie nicht so ganz die Ideallösung sei, verlängerte ich meine Beobachtung auf beinahe 12 Monate. In diesem Zeitraum litt ich sehr, denn meine Hormone spielten mehr als verrückt. Mein Körper signalisierte mir stetig, dass seine Grenzen erreicht sind – ich war unausgeglichen, frustriert, geschwächt, deprimiert, verunsichert, überreizt und insgesamt extrem unmotiviert irgendetwas zu leisten. Sport machen war kaum möglich, denn die kleinste Überanstrengung oder aber falsche Bewegung verschaffte mir starke Schmerzen im Unterleib. Und ausgerechnet in diesem ganzen Chaos, hatte mein Geist scheinbar das Bedürfnis sich mit dem Gedanken über das Gründen einer Familie auseinander zu setzen. Mit gerade 24 Jahren, mit solider aber doch sehr frischer Beziehung und so vielen anderen Faktoren, war für meinen Kopf kaum etwas ferner, als JETZT über Kinder nachzudenken und doch quälten mich die Gedanken so sehr. Das Thema Kinder war für mich schon immer mit vielen Fragezeichen behaftet, bin ich doch gerne auch mal für mich, lebe in den Tag und bin tatsächlich auch eher genervt von Kindern unter 10 Jahren – es war für mich einfach noch der falsche Zeitpunkt und ich litt sehr unter diesem ständigen „Bauchgefühl“ und den damit verbundenen Gedankenschleifen.


Fragen türmten sich auf, als ich begann mich näher mit Endometriose zu beschäftigen: Kann ich vielleicht keine Kinder mehr bekommen, wenn ich mich dazu bereit fühle? Muss ich jetzt schwanger werden? Möchte ich jetzt überhaupt eins?!

Diese Fragen und noch viele weitere füllten sich allmählich zu einem riesigen Ballon auf, der nicht nur mir, sondern auch meiner Beziehung/meinem Partner im Weg stand. Ich fühlte mich selber so uferlos und konnte mich selbst kaum ausstehen, geschweige denn verstehen – für mich war mit einem Schlag so vieles unklar, was bis vor kurzem kaum klarer hätte sein können. Zudem machte mir auch plötzlich der Umgang mit dem Sohn meines Partners sehr „zu schaffen“. „Was macht das mit mir, wenn dass das einzige Kind ist das ich jemals aufwachsen sehe?“


Nun stand ich also da: bei meiner Frauenärztin zur „Kontrolle“ im Dezember 2019. Die fachliche Meinung war eindeutig – Laparoskopie zur Diagnose, am besten sofort. Kurz vor Weihnachten absolut undenkbar, also erfolgte die LSK später.

Bei den Untersuchungen im Vorgespräch wurde dann entschieden, dass die LSK durch eine Hysteroskopie ergänzt werden soll – alles nur zur Sicherheit, aber beängstigend war das trotzdem über alle Maße.


Meine Endometriose begleitet mich jetzt offiziell seit dem 28.02.2020 und ich glaube, was sich da noch für mich auftun könnte macht mir insgesamt die meiste Angst. Da ist gerade zu viel Ungewissheit, zu viel Unsicherheit und auch eine ganze Menge Kraftlosigkeit. Anfällig sind wir alle ja eh mehr für das negative Empfinden, aber selbst das wäre jetzt gerade ganz schön.


Es sind mit dem Schreiben dieses Textes meine ersten drei Tage mit offizieller Endometriose und ich fühle mich trotz dieser ganzen Emotionen gerade noch wirklich leer und teilnahmslos.

Der Wunsch, dass mit diesem entfernten Gewebe auch für lange Zeit eine Beschwerdefreiheit entsteht ist groß - die Hoffnung, dass die Spirale jetzt auch volle fünf Jahre liegen kann und ich diese Zeit auch schmerzfrei erleben darf, ist es ebenfalls. Jetzt gerade wünsche ich mir aus tiefstem Herzen, dass die Fragen die ich mir stelle schnell beantwortet werden können, die mich begleitenden Ängste sich verflüchtigen und meine Hoffnung sich, auch wenn es ein holpriger Weg wird, immer wieder durchboxen wird.


Mittlerweile, knapp drei Wochen nach meiner Laparoskopie stehe ich an beinahe dem selben Punkt wie davor: Ich kämpfe mit linksseitigen Schmerzen im Unterleib.

Das Bedürfnis nach beschwerdefreien Tagen ist immens, die Sorgen vor dem nächsten Kontrolltermin der Spirale sind extrem präsent. An Rückzug ist gerade kaum zu denken, denn das Gefühl, dass mir die Decke auf den Kopf fallen könnte ist viel zu groß. Aufbauen kann ich mich gerade gut mit dem durchstöbern von Erfahrungsberichten und nehme für mich dadurch viel mit, dass mir nach und nach ein gewisses Maß der Sicherheit gibt. Ich bin bemüht den Entwicklungen positiv entgegen zu schauen und die Dinge einfach so zu nehmen, wie sie nun mal kommen mögen.




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