Elif erzählt ihre Geschichte


Dass mich eine "Endometriose" seit Jahren begleitet, habe ich erst vor ca. sechs Monaten durch meine Operation, nach etwa 12 Jahren Schmerzen erfahren. Hi, mein Name ist Elif und ich bin 26 Jahre alt. Auch ich möchte euch meine Endogeschichte erzählen.



Ich finde den Gedanken nicht alleine zu sein, sehr beruhigend. Ich bekam meine ersten Blutungen bereits mit ca. zehn oder elf Jahren. Die ersten zwei bis drei Jahre war der Zyklus meiner Periode sehr unregelmäßig und schmerzfrei. Doch irgendwann mit etwa 14 Jahren haben die starken Schmerzen angefangen. Der erste Tag meiner Blutungen war immer so schlimm, dass ich zu Hause bleiben musste und den ganzen Tag im Bett lag mit Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Rückenschmerzen, Unterleibschmerzen,... Jahrelang war die Wärmeflasche meine beste Freundin. Ohne meine Wärmflasche hätte ich diese Schmerzen nicht ertragen können…


Ich kann mich noch genau an den schlimmen Tag im Urlaub beim shoppen erinnern. Ausgerechnet beim shoppen bekam ich unerwartet meine Tage. Gleich danach fingen schon die Unterleibschmerzen an, Übelkeit mit Schwindel gehörten immer dazu. Ich weiß noch wie mich meine Eltern voller Verzweiflung ins Krankenhaus brachten. Dort bekam ich Schmerzmittel durch eine Infusion. Nach ein paar Stunden durfte ich auch wieder nach Hause.

Der Arzt belächelte mich und sagte: ,,Stellen Sie sich bitte nicht so an. Schmerzen während der Periode sind normal".

Auf jeden Fall weiß ich, dass ich jahrelang mit diesen Schmerzen leben musste. Ich selber hatte die Schmerzen als "normal" angesehen. Auch stand mal die Frage im Raum, ob ich mir diese Schmerzen einfach nur einbilden würde?!


Auch hatte ich immer wieder dieses Ziehen auf der linken Seite. Einmal war ich deswegen beim Frauenarzt, die mich nicht mit dem Ultraschall untersuchen durfte (da ich Jungfrau war). Vielleicht muss ich hier kurz erwähnen, dass ich aus einer türkisch religiösen Familie stamme, in welcher der Geschlechtsverkehr erst nach der Heirat erlaubt ist... Die Frauenärztin wollte mir gleich die Pille verschreiben, womit ich jedoch nicht einverstanden war und somit gewillt war die Schmerzen doch noch so zu ertragen. Mit der Zeit hatte ich nicht nur die "normalen" "gewöhnlichen" Regelschmerzen sondern hatte plötzlich mitten in der Nacht solche Bauchschmerzen, dass ich immer wieder erbrechen musste. Mein Bauch war immer aufgebläht und hart wie ein Stein. Ich hatte auch sehr oft Verstopfungen. Trotzdem hatte ich mir nie große Gedanken darüber gemacht und diese nie mit den Regelschmerzen in Verbindung gebracht.


Mit 24 Jahren war es dann soweit. Ich wollte meinen Freund, mit dem ich drei Jahre lang zusammen war, heiraten. Leider habe ich diese Entscheidung sehr schnell bereuen müssen. Ich glaube heute auch daran, dass diese unglückliche Ehe und der Stress diese Krankheit noch schlimmer gemacht hatte. Naja, letztendlich war ich verheiratet und konnte zur Gynäkologin und mich richtig untersuchen lassen. (Wobei ich sagen muss, dass ich nach der Heirat nicht sofort zur Gynäkologin gegangen bin). Direkt fiel meiner Gynäkologin eine Zyste auf, die in meinem linken Eierstock saß. Die Ärztin ging aber davon aus, dass die Zyste wieder von alleine weg gehen würde und wollte das erstmal beobachten. Nach sechs Wochen hatte ich meinen nächsten Kontrolltermin.


Entgegen der Erwartung, dass die Zyste weg sein würde, war sie natürlich noch da, mit einer Größe von fünf Zentimeter. Nicht einmal mein Eierstock ist so groß! Um sicher zu gehen hat sie mich zum MRI überwiesen. Dort hat man von meiner Gebärmutter und den Eierstöcken einige Bilder gemacht. Ich selber war noch sehr gelassen und hatte mir nichts dabei gedacht. Der Arzt schaute sich die Bilder an und sagte: "Frau ... Sie haben am linken Eierstock einen Tumor, den man entfernen muss". Ich war zwar schockiert und hatte überhaupt nicht damit gerechnet, doch war ich so sehr damit beschäftigt meine Ehe zu retten, dass ich mit nicht einmal richtig damit auseinandersetzen konnte. Erst als mir klar wurde, dass ich mein ganzen linken Eierstock verlieren könnte wusste ich, dass ich so manches in meinem Leben ändern muss.

Denn ich bin einzigartig und möchte mein Leben nicht wegen einer Person zur Hölle machen. So habe ich alles was mir nicht Gut tut, aus meinem Leben verbannt.

Innerhalb weniger Wochen lag ich auf dem Operationstisch. Drei kleine Narben erinnern mich bis heute an diesen Eingriff. Auch war bis zur OP nie die Rede von einer Endometriose. Nach der OP haben mich die Ärzte besucht und gaben mir die unerwartete Nachricht, dass ich Endometriose habe. Später durfte ich zur Nachuntersuchung meine Gynäkologin aufsuchen, die mich wieder mit der Pille vertröstete. Ich dachte mir nur: Jetzt kämpfst du Jahre lang gegen die Pille und hältst die Schmerzen aus aber am Ende gewinnt doch die Pille… Damit sich nicht wieder so ein Tumor in meinem Körper bildet nehme ich die Pille, wenn auch ungern. Ich kämpfe bis heute mit diesen Gedanken die chronische Krankheit Endometriose zu haben und versuche trotzdem mich damit anzufreunden. Neben den ganzen Regelschmerzen finde ich es sehr traurig, kein Heilmittel gegen Endometriose zu haben.

Viele Frauen ertragen über Jahre hinweg still diesen Zustand ohne zu wissen, was genau los ist. Alles weil man uns die Worte "SCHMERZEN SIND NORMAL" ins Gehirn geprägt hat.




0 Ansichten