Magda erzählt ihre Geschichte.


Ich wache auf und habe einen unglaublichen, drückenden Schmerz auf dem Bauch. Ein Samstag im April 2006 - ich bin 12 Jahre alt. Ich gehe nach unten in die Küche und erzähle meiner Mama davon - schon machen sich die Schmerzen im Rücken breit. Ich glaube ich werde krank! Die Schmerzen ziehen sich den kompletten Vormittag durch. Ich gehe zur Toilette … and that’s how the story begins.





„Du bist jetzt eine echte Frau!“, sagt meine Cousine. Ich wusste allerdings gar nicht, dass Frau sein sich so scheiße anfühlt. Im Kreis meiner Freunde bin ich die Zweite, die ihre Tage hat. Anfangs dachte ich es wäre cool, aber da hatte ich noch nie von diesen gemeinen Schmerzen gehört. Naja, jetzt war es eben so. Ich traf mich mit meiner besten Freundin und erzählte ihr davon. Zu diesem Zeitpunkt nutzte ich eine Binde, die mir meine Mutter gegeben hatte. Jedoch waren OB’s viel cooler und irgendwie kamen mir alle OB-Mädels viel erwachsener vor, deshalb wollte ich sie auch benutzen. Allerdings musste ich schnell feststellen, dass das keine gute Idee war. Ich hatte große Schmerzen - mit OB waren sie allerdings doppelt so schlimm. Ich erzählte niemandem davon und tat so, als würde ich sie ebenfalls benutzen. Über die Jahre hinweg wurden die Schmerzen nicht besser, sondern schlimmer.

Mir wurde immer wieder erzählt, dass viele Frauen Schmerzen haben und ich bekam das Gefühl ich müsste da einfach durch.

Meine Mama hat sehr früh erkannt, dass die Art meiner Schmerzen nicht mehr im normalen Bereich war. Deshalb ging sie mit mir zum Hausarzt. Dieser war der Meinung, dass ich einfach nur eine schmerzhafte Periode habe und ein paar Schmerztabletten nehmen müsse. So war es nun. KOMM KLAR DAMIT! Wie die meisten Mädels hatte ich im Alter von 14 Jahren meinen ersten Frauenarztbesuch. Ich erzählte von meinen Schmerzen und bekam die Pille verschrieben. Die Ärztin war der Überzeugung, dass Hormone mir helfen könnten. Da ich mich aber für zu jung für die Pille empfand und sie rein als Verhütungsmittel betrachtete, lehnte ich ihr Angebot dankend ab. Bei der Untersuchung machte sie mir klar, dass alles in bester Ordnung war. Leider nein. Mit 16 beschloss ich dann doch die Pille zu nehmen, da ich mir nichts sehnlicher wünschte als schmerzfrei zu sein. Die Krämpfe veränderten sich in keinster Weise. Mittlerweile konnte ich bereits zwei Tage vor Eintritt meiner Periode weder schmerzfrei sitzen, noch stehen. Zudem wurde schnell klar, dass mein Körper sich gegen künstlich zugeführte Hormone wehrte. Ich wechselte viermal die Pille, bis ich beschloss sie wieder abzusetzen. Neben den Schmerzen quälte mich regelmäßig ein Blähbauch. Aber hey, alles ist okay mit mir, dass ist wohl auch normal. Lockerer Pulli drüber und das Ganze ist nicht mehr sichtbar. Kein Problem.

Meine Mama sieht das Problem jedoch schon. Sie ist verzweifelt. Jeden Monat muss sie sich um ihr weinendes Kind kümmern, dass sich kaum bewegen kann und sich vor Schmerzen erbricht.

Sie macht einen Termin bei einem Heilpraktiker. Während meiner schlimmen Phasen half leider nur eine Sache, Schmerzmittel. Diese sollte ich zum Termin beim Heilpraktiker mitbringen. Nachdem ich mich dem „netten“ Herren vorgestellt hatte, nahm er meine Schachtel mit den Tabletten, warf sie hinter sich und nannte sie den „größten Dreck“. Ich empfand es als verletzend und unfair, da es keine Alternative gab die mir helfen konnte und die Tabletten meine einzige Rettung waren. Er verschrieb mir Tropfen und gab mir den Tipp ein Wärmekissen zu kaufen, denn auch seine Diagnose lautete: schmerzhafte Periode. Danke, aber ein Wärmekissen hab ich schon. Wer hätte es gedacht, die Tropfen haben nicht geholfen. Mit 18 machte ich mein Fachabitur und wollte reisen gehen. Ich buchte gemeinsam mit meiner besten Freundin einen Flug nach Neuseeland. Ein knappes Jahr hatten wir geplant. Das war der Moment in dem ich merkte, wie sehr mich diese Schmerzen eingeschränkten. Ich hatte Angst. Ich war noch nie so lange von Zuhause weg – nie hatte ich meine Tage außer Haus. KOMM KLAR DAMIT!

Ich flog nach Neuseeland. Mit einer Ration Tabletten, welche locker für fünf Jahre gereicht hätte. Doch es funktionierte. Mal besser, mal schlechter. Aber ich habe es geschafft, ich habe mir meinen Traum vom Ausland erfüllt.

Nach meinem Auslandsaufenthalt war wieder Schulbank drücken angesagt. Ich absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin. Also kein Problem, da kann man schon mal Zuhause bleiben, wenn es schlimmer ist. Zu meinem Alltag gehörte jedoch, dass mich mein Papa in der Nacht bei Freunden abholen musste, weil ich meine Schmerztabletten vergessen hatte und meine Tage in den Startlöchern standen und somit auch die Schmerzen eintraten. Ebenso waren Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, der gute alte Blähbauch und dieses komische Gefühl einer Blasenentzündung Teil meines Lebens. KOMM KLAR DAMIT! Ich war 22.

März 2016 – ich habe Blut im Stuhl. Ich mache mich sofort auf den Weg zu meinem Hausarzt, welcher mich kennt seit ich klein bin. Nach seiner Untersuchung äußert er den verdacht von Endometriose. Endo-WAS? Egal, Hauptsache das geht wieder weg. Er gab mir eine Überweisung zur Darmspiegelung und bat mich, zu meiner Frauenärztin zu gehen. Super, bis zu acht Wochen Wartezeit. Dank einer Freundin bekam ich relativ schnell einen Termin bei einem Gynäkologen. „Ich glaube auch, dass sie Endometriose haben, aber sie brauchen sich nicht operieren lassen. Das ist bis jetzt noch ganz unauffällig. Da hilft sowieso nur die Pille.“, meinte er. Ich fuhr nach Hause. Hatte keine Ahnung was ich davon halten sollte und holte mir die Pille NICHT. KOMM KLAR DAMIT! Ich informierte mich nur wenig über Endometriose und war sehr mitgenommen von der Reaktion meiner Mutter.

Als ich ihr davon erzählte, begann sie zu weinen und wünschte sich, sie hätte diese „Last“ zu tragen. Ich wollte nichts mehr davon wissen und ging ganze vier Jahre nicht mehr zum Frauenarzt. Schmerzsituation nach wie vor unverändert!

Im Juli 2019 war es dann soweit. Ich war die ganze Nacht wach, hatte Schweißausbrüche, musste mich mehrmals übergeben, konnte meine Beine einfach nicht bewegen. Ich ging wieder zum Frauenarzt!!! Diesmal hatte ich Glück. Ich hatte mich für eine Ärztin in der neuen Stadt entschieden, in welche ich gezogen war. Sie war sehr nett und einfühlsam. Ihr dringlicher Rat war eine Bauchspiegelung machen zu lassen, um mehr zu erfahren und letzten endes hat sie mich dann davon überzeugt. Ich rief sofort im Krankenhaus an und machte einen Termin.


Am 20. August 2019 wurde ich operiert. Es wurden alle Endometrioseherde entfernt und die OP verlief gut. Heute - am 26. Februar 2020 muss ich jedoch sagen, dass ich nicht das letzte Mal operiert wurde und schon wieder neue Herde Teil meines Körpers sind. Ich habe direkt nach dem Eingriff mit einer Hormontherapie begonnen. Dabei musste ich jedoch unter vielen Nebenwirkungen leiden, daraufhin habe ich mich entschieden, nie wieder Hormone zu mir zu nehmen. KOMM KLAR DAMIT!


Es gibt Tage an denen ich zweifle und Angst habe niemals Kinder zu bekommen und dadurch meinen Partner zu verlieren oder dauerhaft mit Schmerzen leben zu müssen.

Auch geht es mir schlecht dabei, meiner Familie immer wieder erzählen zu müssen, dass es nicht besser wird. Ich liebe meine Schwester, meine Mama und meinen Papa dafür, dass sie mir den Rücken stärken! Allerdings fällt es mir schwer zu sehen, wie besorgt sie sind.

Zusammenfassend will ich sagen, dass ich mittlerweile sehr positiv mit meiner Krankheit umgehen kann. Meine Schmerzen haben einen Namen bekommen. Mir wurde nie gesagt ich würde übertreiben oder solle mich nicht so haben. Meine Freunde, mein Partner, meine Familie und meine Arbeitskollegen zeigen sehr viel Verständnis und unterstützen mich. Auch habe ich eingesehen, dass es okay ist meine Schmerzen zu zeigen und ihnen einen Platz in meinem Leben zu schaffen.


Das war keine Lebensgeschichte, sondern eine Endometriosegeschichte!

Man kann sehr gut mit Endometriose leben, wenn man seine Tage mit positiven Gedanken, Menschen und Erlebnissen füllt.

Ich bin glücklich – mit Endometriose!


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