Marie erzählt ihre Geschichte


Ich weiß gar nicht mehr wann genau alles los ging und mit was ich hier überhaupt anfangen soll. Die Endometriose hat mein Leben komplett verändert. Ich könnte sagen, ich habe wegen ihr so ziemlich alles verloren. Aber es wird schon alles seinen Sinn haben.




Ich fange mal 2017 an, da ging es mir aufgrund von ständigem Druck auf der Blase nicht gut. Niemand konnte mir helfen. Kein Antibiotika gegen Blasenentzündungen half. Da ich im Schichtdienst arbeitete, schoben es die Ärzte auf den Stress. Ich fand mich damit ab.

Mitte 2018 setzte ich die Pille ab und es wurde nur noch viel schlimmer. So dass ich mich nicht mehr einfach damit abfinden konnte. Ich lief von Arzt zu Arzt, bekam ein Antibiotika nach dem Anderen und nichts schlug an.


Ich stieg dann auf die Kupferspirale als Verhütungsmittel um. Der größte Fehler überhaupt. Ich hatte das Gefühl, es würde meinen Bauch jeden Moment zerreißen - nicht nur während meiner Periode. Nach vier Monaten lies ich sie wieder raus machen. Doch die Beschwerden wurden, wie gehofft, nicht weniger, sondern nur noch schlimmer. Es kamen Rückenschmerzen hinzu und Übelkeit, sowie Schmerzen im gesamten Bauchraum.

Ich informierte mich damals selbst im Internet, welche Krankheit zu meinen Symptomen passen würde. Die Endometriose schloss ich aus, da ich meine Periode nur sehr schwach bis gar nicht habe, was für die Endometriose ja eher untypisch ist. Ich war beim Urologen, hab eine Darmspiegelung machen lassen, war bei drei verschiedenen Frauenärzten, diese sprach ich auch mal auf die Endo an, aber verneinten es ebenfalls.


Irgendwann kam meine Hausärztin darauf, dass meine Beschwerden mit einer Histaminintoleranz zusammen hängen könnten. Einige Tests durchgeführt und siehe da, ich hatte endlich eine Diagnose. Meine Beschwerden wurden besser, aber gingen nie ganz weg. Ich fand mich mal wieder damit ab.


Bis zu meiner nächsten Krebsvorsorge beim Frauenarzt im November 2019. Meine eigentliche Frauenärztin befand sich im Urlaub und die Vertretung behandelte mich. Wir führten alle Untersuchungen durch. Als wir am Ende zusammen saßen sah sie meine Akte durch und fragte mich, ob meine Beschwerden denn mittlerweile weg sind. Ich hatte eigentlich gar keine Lust die gesamte Geschichte von vorne zu erzählen. Tat es aber trotzdem.

Dann meinte sie von sich aus, ob ich denn schon mal was von Endometriose gehört hätte und überwies mich an einen Facharzt in München.

Über eine Stunde Fahrtweg, dafür, dass vllt. wieder nichts dabei raus kam? Ich tat es mir trotzdem an. Eine Woche später hatte ich bereits einen Termin. Er hörte sich die Geschichte von Anfang bis Ende an und meinte nur: “Trotz meiner schwachen Periode ist das eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch.” Ich hatte durch meine lange Ärzte Misere echt bedenken und Angst, dass er nur Geld machen will durch die Bauchspiegelung (Privatpatientin).

Ich machte dennoch einen Termin für Januar 2020 aus. Ich fuhr in der Früh schon ins Krankenhaus mit dem Gedanken eh nicht über Nacht bleiben zu müssen, da sie nichts finden würden.


Als ich aus der Narkose aufwachte kam aber alles ganz anders. Ich hatte Endoherde überall - außer an den Eileitern.

Der Schock saß tief, da ich echt nicht damit gerechnet hatte.

Mir ging es psychisch erst richtig gut, da ich endlich eine Diagnose hatte. Nach ein paar Stunden ließ die Erleichterung jedoch nach. “Was will ich denn mit so einer Diagnose?”

In der Zeit vom Auftreten der ersten Symptomen hin bis zur Diagnose verlor ich wahnsinnig viele Freundinnen, die nicht verstanden haben, warum ich spontan auf Grund von Bauchweh absagen musste. Ich habe meinen Job gekündigt, da ich in diesem unglücklich war und der Schichtdienst die endo nur noch schlimmer machte.


Und als wäre es nicht schon schlimm genug gewesen hat mich zwei Monate nach der Diagnose auch noch mein Freund verlassen. Wir waren zwei Jahre zusammen. Mit der Begründung: er kommt mit meinen Problemen durch die Endo nicht klar. Damit, dass es auf die Psyche geht. Damit, dass ich oft einfach nur rumliege mit meiner Wärmflasche. Damit, dass ich Schmerzen beim Geschlechtsverkehr habe...





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