Mirijam erzählt ihre Geschichte.


Mein Name ist Mirjam Pogrebnaya, gebürtige Schweizerin, wohnhaft in Sankt Petersburg, Russland. Das spielt eine wichtige Rolle in meiner Geschichte, die ich nun niederschreibe, deshalb erwähne ich es schon zu Beginn.



Also, ich bin im Kanton Bern geboren und lebte die ersten 22 Jahre in der Schweiz. Am 22.08.2018 wanderte ich direkt nach der Lehre zur Fachfrau in der Betreuung nach Sankt Petersburg aus. – Ja, alleine, falls sich das jemand fragt :)


Zu dem Zeitpunkt war ich bereits seit zehn Jahren in Behandlung wegen starker Regelschmerzen und hohem Blutverlust. Ach Gott, ich hab aufgehört zu zählen wie viele Pillen und Verhütungsmittel ich in nur zehn Jahren ausprobiert habe um mein Leiden zu lindern. Nach ungefähr sieben oder acht Pillen Präparaten kam ich noch zum Hormonpflaster, auch die Dreimonatsspritze, ja sogar die Spirale war ein Thema mit knapp 17 Jahren.

Zwei mal war das Wort, Endometriose gefallen, jedoch bin ich nie darauf untersucht worden. Nein immer nur Hormone Hormone und noch mehr Hormone.

Als ich dann 18 Jahre alt war, wenn ich mich recht erinnere, bekam ich die Pille Yasmine. Auf die sprach mein Körper gut an. Ich wurde selbstverständlich gut über dieses Präparat aufgeklärt. So nahm ich sie, vier oder fünf Jahre lang.

Aber natürlich kam es wie es kommen musste. Das Limit dieses Präparats war nach so langer Zeit ausgeschöpft. Es war im November 2018, also schon als ich in Sankt Petersburg lebte, als ich wahnsinnige Schmerzen im rechten unteren Becken bekam. Beängstigend starke Schmerzen kann ich euch sagen. Über zwei Wochen lang. Der Zufall wollte es, dass ich aus Visumsgründen, noch einmal für drei Monate zurück in die Schweiz reisen musste. Also ging ich dort nochmals in gynäkologische

Behandlung. Zudem war ich damals noch der Ansicht, dass das Gesundheitssystem in der Schweiz besser sei als in Russland. Also suchte ich eine Gynäkologin auf, die ich bis dahin noch nicht kannte. Sie war eine Rumänin. Sie diagnostizierte mir nach einer Ultraschalluntersuchung (intimregion nicht Bauchultraschall) „Tumor in der Blase“ und verwies mich zu einem erfahrenen Urologen in Olten SO. Zu ihm fuhr ich bereits drei Tage später. Er untersuchte mich mit Ultraschall und anschließend unterzog ich mich einer Blasenspiegelung. Nach der Blasenspiegelung erklärte mir der mitt 40er, dass ich erst die zweite Frau sei, bei der er Endometriose in der Harnblase feststellte. Ich war erleichtert, dass es nicht Krebs war und zugleich schockiert als mir der Urologe offen legte, dass er keine Ahnung hat wie man die Endometriose aus der Harnblase entfernen kann. Die Methode war ihm völlig fremd. Somit verwies er mich zurück zu einem Frauenarzt. Dieser verschrieb mir dann endlich die Visanne, eine speziell entwickelte Pille gegen Endometriose. Die erste hormonell entwickelte Pille die das Wachstum der Endometriose stoppen soll.

Was mir die gute Frau aber nicht sagte - es war nur eine Übergangslösung. Mein Stadium war nach mittlerweile elf Jahren falscher Behandlung schon so weit fortgeschritten, dass man eigentlich hätte operieren müssen. Meine neue Gynäkologin konnte das jedoch nicht wissen, denn sie las nur den Bericht der vorhergehenden Gynäkologin und untersuchte mich nicht nochmal um sich ein eigenes Bild zu machen. (Ich war nämlich inzwischen aus verschiedenen Gründen nicht mehr bei der oben genannte Gynäkologin, welche mich zum Urologen verwiesen hatte.)


Ich ging also damals aus dem Termin mit der neuen Ärztin raus und dachte nun wird alles gut, denn ich hab ja diese neue Endometriose Pille. Nach vier Monaten sollte ich nochmal zur Untersuchung kommen. Ich ging dann aber zurück nach Russland. Im Juni fing das Ganze wieder von vorne an.

Die Visanne half nicht mehr. Ich brach vor Schmerzen zusammen.

Der erste Verdacht im Krankenhaus war eine Zyste an der Gebärmutter, welche aber laut Ärzten mit Antibiotika wieder verschwindet. Obwohl ich ihr über die Endometriose berichtet hatte, waren sie sich einig, dass es eine Zyste sei. Ich glaubte den Ärzten, denn ich dachte das wäre nur logisch, schließlich schmerzt mich die Endometriose immer mit dem Zyklus und der war grade soweit, plus eine Zyste, das würde den hohen Schmerzpegel auf jeden Fall erklären.


Falsch gedacht, Antibiotika half nicht und die Schmerzen wurden schlimmer. Wie auch der ständige Drang auf Toilette zugehen. Den hatte ich schon seit November vermehrt, allerdings hatte ich mit der neuen Pille für vier Monate meine Ruhe gehabt.

Im Juli, also wenige Wochen nach dem Antibiotika suchte ich einen Gynäkologen auf, der die Endometirose sofort erkannte und die Diagnose der Zyste widerlegte. Das wäre die Endometriose die so rasant gewachsen wäre. Plus, er verlangte dass ich die Visanne für drei Monate aussetzte um den Verlauf meiner Endometriose zu beobachten. Ich war in den drei Monaten drei Mal bei ihm, allerdings geplant. So dass er mich untersuchen konnte. Ebenso musste ich in die Röhre, und ein MRI machen lassen, so dass man andere Herde sehen sollte.

Beim dritten Mal, gab er bekannt dass ich eine besonders schwere Form der Endometriose habe und dass sie bei mir absolut untypisch wachsen würde. Sie wachse wie Krebs. Streut unwillkürlich Herde, wo konnte er mit seinen Geräten aber nicht feststellen. Zudem war für ihn auf dem MRI zu wenig sichtbar und er gab zu, sich mit dieser Form der Endometriose zu wenig auszukennen. Daher verwies er mich an einen befreundeten Urologen. Keine fünf Minuten später saß ich bei ihm. Er sah sich das MRI zwei Minuten an, griff zum Telefon und dann hörte ich es das erste Mal.


„Ja, Guten Tag, Professor V .Fjodrowitsch* ich habe hier eine 23 Jährige Dame vor mir, mit Endometriose 3.5 x 4.5 cm groß in der Harnblase. Das könnte ein interessanter Fall für Sie sein.“ Ich fasste die Hand meines Freundes der mich immer begleitet hatte und mir wurde plötzlich anders. Kein Arzt wusste was zu tun ist. Ich bin ein Fall für einen Professor. Elf Jahre verschwendete Zeit, Energie und Geld in einem System bei dem ich dachte ich wäre gut aufgehoben, stellte sich in diesen zwei Minuten Telefonat als falsch heraus. Man muss nach Russland auswandern dass man mir helfen konnte? Echt jetzt?!


Nach fünf Minuten im Sprechzimmer des Urologen war es amtlich. Ich musste operiert werden. Und ich musste persönlich zum Professor V. Fjodrowitsch. Zwei Tage später saß ich da und wurde in nur 15 Minuten darüber aufgeklärt, wie die Operation ablaufen würde. Der Professor zeichnete auf, erklärte und beantwortete meine Fragen.

Ich war beruhigt. Er wusste also was er tat, wie man es tat und vor allem, er tat es nicht zum ersten Mal.

Einige Wochen später googelte ich ihn mal, weil mich viele Frauen fragten von wem ich operiert werden würde und als ich den kompletten Namen sagte bekam ich immer die gleiche Antwort: „Ach was! Der ist einer der berühmtesten Professoren in Sankt Petersburg. Den kennt jeder. Du kannst beruhigt und glücklich sein von ihm operiert zu werden. Er versteht sein Fach.“


Und tatsächlich wenn man seinen Namen mit dem Professorentitel eingibt, kommt er ca. zehn Seiten lang sowie ein Wikipedia Eintrag von ihm. Ebenso kommt es nicht nur auf russisch, nein auch auf englisch findet man ihn! Ab da an wusste ich es ist ein Geschenk, dass ich ihn gefunden hatte und ich freute mich sogar auf die bevorstehende Operation.

Am 10. Februar 2020 war es dann endlich soweit. Ich fuhr ins Krankenhaus um operiert zu werden. Zwei Gynäkologen ein Mann und eine Frau untersuchten mich, wobei ich aufschrie. Der Schmerz in der Dammgegend den ich seit mind. fünf Jahren spürte war unerträglich. Sei es beim Sex oder nur bei einer gynäkologischen Abtastung. Da wurde der Arzt S. Lurovitsch hellhörig. Tastete nochmal und kam zu der Diagnose, dass ich einen Endometriosenherd am oder schlimmstenfalls sogar schon im Darm hatte.


Am nächsten Morgen wurde ich als erste operiert. Der Professor holte mich sogar persönlich ab. Heute weiß ich, dass das eine Ausnahme war. Nach zweieinhalb Stunden Operation am Dienstag den 11. Februar 2020 war es vorbei. Ich wachte mit meinem Katheter, wovon ich wusste, auf und verspürte eine große Erleichterung! Ich war vielleicht nicht 100% endometriosefrei, aber auf jeden Fall schon mindestens gefühlte eineinhalb Kilo leichter.


Am Abend erfuhren mein Freund und ich, dass alles entfernt werden konnte.

Sie entfernten mir 50% meiner Harnblase!

Das bedeutete, dass meine Endometriose meine Blase schon so sehr eingemantelt und in sie hinein gedrungen war, dass die Hälfte verloren war. Ich war schockiert und erleichtert zugleich. Desweiteren mussten sie mir aus dem Eileiter einen Herd entfernen, wie auch am Blinddarm und am Darm. Gott sei Dank mussten sie dort nichts schneiden, sondern nur schaben. Das verhinderte einen zweiten Katharer, den ich sonst am Darmausgang bekommen hätte. Und zu guter Letzt wurde ich darüber aufgeklärt, dass ich die schwerste Form der Endometriose habe, die es gibt. Aber sie sind sich sicher, dass ich ich noch Kinder bekommen kann.


Ich möchte hier etwas abkürzen. Ich war dann acht Tage im Krankenhaus, nach vier Tagen entfernten sie mir den Drainage aus dem Bauch und nach sechs Tagen den Harnblasen Katharer. Meine Therapie heute ist weiterhin Visanne, die nun ihre Arbeit machen wird, da das gröbste weg ist. Ich muss nun alle sechs Monate zur Untersuchung, aber damit kann ich gut leben. Besser als elf bzw fast zwölf Jahre falsch behandelt werden und ignorieren, dass man als Arzt vielleicht auch einfach mal nicht weiter weiß.


Mein Gynäkologe in der Schweiz, der mich elf Jahre meines Lebens mit Hormonen zugeschüttet hat und falsch behandelt hat, wird eine nicht ganz so nette E-Mail von mir erhalten, denn ich kann das nicht so stehen lassen und möchte ihn über seine Fehleinschätzung informieren.


Noch etwas. Der Professor der mich operiert hat sagte mir, dass es häufig nicht so gut ist als Endopatientin Verhütungsmittel einzunehmen, da so nur die Symptome geblockt werden, das Wachstum hingegen häufig nicht. Passt also bitte auf!


Ich danke allen die bis hierhin gelesen haben.

Wenn jemand den vollständigen Namen des Professors möchte, kann man mich direkt kontaktieren: endometriose_blog (auf Insta), ich möchte ihn nur nicht veröffentlichen.* Er operiert auch viele Ausländer die extra für eine OP bei ihm hierher kommen. Er spricht auch Englisch und ist absolut kompetent. Ich würde mich niemals wieder von jemand anderem operieren lassen!

Narben habe ich zudem kaum welche.


Passt auf euch auf! Und scheut euch nie, dem Arzt auch mal zu sagen was er zu tun hat. Ich wünschte ich hätte es früher gewusst und gekonnt.


Kuss Mirij




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